Gehört dem E-Wandern die Zukunft?

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Gehört dem e-Wandern die Zukunft?

Es gibt doch tatsächlich elektronische Geräte, die einem das Wandern erleichtern. Ich meine damit nicht ausgeklügelte Tools zur Routenplanung oder App-gesteuerte Heizsocken, sondern technische Einrichtungen, die einem beim Gehen unterstützen. Absurd, denke ich im ersten Moment.

Wandern bedeutet für mich, aus eigener Kraft einen Gipfel zu erklimmen oder abseits unserer technologisierten Welt die Natur zu erkunden. Ein Hightech-Gerät aus China passt nicht in dieses Bild. Und doch bin ich neugierig: Wie fühlt es sich an, wie von Zauberhand den Berg hinauf getragen zu werden? Funktioniert das überhaupt oder macht die Werbung wieder einmal leere Versprechungen? Und wenn ja, wie verändert diese Entwicklung unseren Lieblingssport?

Ich teste ein Modell der Marke Hypershell. «Wir bringen eine Welt voran, in der Neugier, Fähigkeiten und Entscheidungsfreiheit von den Grenzen des Körpers befreit sind», schreibt die Firma aus Hongkong auf ihrer Webseite. Mit einer Leistung von 800 Watt soll mich das rund 1400 Franken teure Exoskelett auf dem Wanderweg unterstützen. Es ähnelt auf den ersten Blick einem Klettergurt: ein Hüftgurt, an dem hinten der Akku befestigt ist, zwei Beinschlaufen, die über den Knien angelegt werden. Verbunden ist beides mit zwei Karbonbügeln, die mit kleinen Elektromotoren bewegt werden können. Schnell finde ich mich damit zurecht. Der Hypershell lässt sich gut an meinen Körper anpassen, er ist leicht und angenehm zu tragen.

Etwas gewöhnungsbedürftiger ist die Steuerung via App oder den Knopf an einem der Motoren. Es gibt verschiedene Modi, farbige Led-Leuchten und mehrere Kombinationen, wie ich den Knopf drücken muss. Nach ein paar Versuchen funktioniert es aber einwandfrei und ich kann starten. Kaum will ich den ersten Schritt tun, hebt der Hypershell mit verblüffender Kraft meinen Oberschenkel in die Höhe. Mit meinen Bewegungen gebe ich den Rhythmus vor und das Gerät unterstützt mich dabei. Es ist ein bisschen wie beim E-Bike: Wenn ich nichts tue, passiert nichts. Sobald ich aber einen Impuls gebe, geht es los. Mühelos steige ich den steilen Wanderweg hoch und schwitze kaum dabei. Ein bisschen komme ich mir vor wie ein Cyborg, eine futuristische Kombination aus Mensch und Maschine. Und ehrlich gesagt, bin ich froh, dass niemand sonst unterwegs ist.

Obschon ich zunächst skeptisch war, muss ich nach dem Test zugeben: Der Hypershell fühlt sich gut an und es ist erstaunlich, wie viel Energie ich dadurch spare. Bei gleicher Steigung und gleichem Tempo liegt mein Puls ohne Unterstützung bei 145, mit Unterstützung sinkt er auf 120 und mein Atem wird deutlich ruhiger. Bis zu 30 Prozent physische Entlastung verspricht der Hersteller. Das ist sicher nicht weit von der Realität entfernt.

Werde ich das Gerät auch in Zukunft nutzen? Nein! Zu viel Freude habe ich an meiner eigenen Leistung. Ich liebe es, mein Herz und meine Lungen zu spüren, an meine Grenzen zu kommen. Dabei brauche ich keine technische Unterstützung und möchte mich nicht mit Knöpfen und Einstellungen abmühen. 

Dennoch sehe ich Potenzial und Chancen für den Wandersport. Menschen, denen Wandern bisher zu anstrengend war, können dank dem Exoskelett Freude daran bekommen. Ältere Menschen werden damit längere Touren unternehmen können und die schwindende Kraft im Alter wird sie erst später dazu zwingen, ihre Wanderschuhe an den Nagel zu hängen. Damit wäre die technische Innovation pure Bewegungsförderung. Allerdings sollte sich niemand überschätzen: Mit dem Hypershell spart man zwar Energie, bezüglich Trittsicherheit, Gleichgewicht und Schwindelfreiheit ist man aber immer noch auf sich selbst gestellt. Dank der Unterstützung ist man sogar versucht, schneller zu wandern, was die Gefahr eines Sturzes erhöht. Also Achtung: Auch ein Cyborg ist nicht unverwundbar!

Nach dem E-Bike kamen die E-Wanderhosen, der E-Tourenski und eben erst hat Nike auch den ersten E-Turnschuh präsentiert. Wo geht diese Entwicklung noch hin? Wie wird sich das Wandern in Zukunft entwickeln? Ist es eher ein Segen damit die Menschen länger und öfter in die Berge gehen können oder wird dies zu einer Überflutung der Natur führen. Was hältst du von dieser schönen neuen Welt? Ich bin gespannt auf deine Reaktionen!

Michael wandert

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