DAS WANDERN
Das Magazin der Schweizer Wanderwege
Werbung
Nr. 2359
Runcahez Val Sumvitg
— Surrein, vitg
• GR
Auf preisgekröntem Weg durchs wilde Val Sumvitg
Um ein Gebiet mit Steinschlaggefahr zu umgehen,
wurden im Val Sumvitg der Bergwanderweg
auf die andere Talseite verlegt und eine
neue Brücke gebaut, damit der Zugang zur Terrihütte
erhalten bleibt. 2026 wurde das Projekt mit dem
Prix Rando ausgezeichnet. Auch ohne Abstecher zur
Hütte ist die Brücke in der gleichermassen anmutigen
wie rauen Landschaft ein lohnendes Wanderziel.
Von Juni bis Oktober fährt vom RhB-Bahnhof Rabius-Surrein zweimal täglich ein reservationspflichtiger Bus Alpin bis zum kleinen Stausee Runcahez. Von da an führt der Wanderweg dem Rein da Sumvitg entlang immer weiter talaufwärts. Dank des Widerstands von Naturschützern gegen die Überflutung der Greinahochebene rauscht der Bergbach heute noch naturbelassen dem Vorderrhein entgegen. Vor allem ganz hinten im Tal, im Gebiet Encardens, hat er schöne Pools in den Granit geschliffen, die im Hochsommer Wandernden eine willkommene Abkühlung bieten.
Nach einer ausgiebigen Rast bei der neuen Brücke geht es ein Stück weit den gleichen Weg zurück bis zum Übergang Clavaus, der auch für den Viehtrieb genutzt wird. Hier wechselt man die Flussseite und wandert gemütlich auf der linken Talseite abwärts. Plötzlich taucht ein verlassener Hotelkomplex aus dem Nichts auf. Das Tenigerbad entstand im 19. Jahrhundert, wurde in den 1970er-Jahren nochmals kräftig ausgebaut und ging dann bald Konkurs.
Weitere Höhepunkte auf dem Rückweg sind die Punt pendenta, die Hängebrücke über einen Seitenbach des Rein da Sumvitg, und die traditionsreiche Ustria Val Sumvitg. Der letzte Abschnitt führt oberhalb einer wilden Schlucht bis nach Surrein, wo man von der gewagten Architektur des Wohnhauses von Simon Jacomet, einem einheimischen Skidesigner und Künstler, überrascht wird. Vom Dorfzentrum fährt ein Bus zurück zum Bahnhof – oder man wandert in gut 20 Minuten auf die andere Talseite.
Bärschwil, Dorf
• SO
Über die Krete des Fringelibergs
Bärschwil liegt in einem Talkessel südlich von Laufen und nördlich eines Ausläufers des Kantons Jura. Rundherum liegen sanfte, bewaldete Hügel, die im Herbst feurig leuchten. Einer davon ist der Fringeliberg, auf den diese Wanderung führt. 1557 wurde der Gebirgszug von einem Solothurner Stadtbürger namens Andreas Fringeli gekauft und trägt im Volksmund seither seinen Namen. Noch heute sind Fringelis in Bärschwil wohnhaft und heimatberechtigt.
Rasch ist das kleine Solothurner Dorf verlassen, und über eine Kuhweide geht es an Bützi vorbei aufwärts. Es folgt ein steiler Anstieg durch den Wald. Hier ist Vorsicht geboten: Unter dem Falllaub kann es nass und rutschig sein, zudem ist das Gelände uneben. Trittsicherheit und gutes Schuhwerk sind gefragt.
Zwischen den bunten Baumkronen ragen rechterhand senkrechte Kalkfelsen in die Höhe. Schliesslich bricht der Weg aus dem Wald heraus. Nun braucht es etwas Orientierung, da sich die Wegspur im Gras verliert. Folgt man der Signalisation, führt der Wanderweg geradewegs über die Wiese zum Weiler Vögeli.
Auf einem Mergelweg wandert man mit Blick auf die Roti Flue gemächlich den Hang hinauf. Schliesslich biegt der Wanderweg links ab und führt auf den Rechtenberg, einen Abschnitt des Fringelibergs. Oben wartet ein hübscher Picknickplatz beim Naturfreundehaus.
Danach wandert man auf der Krete weiter. Weisses Gestein blitzt zwischen roten Buchenblättern hervor. Auch hier besteht im Herbst Rutsch- und Stolpergefahr. Man ist fast allein unterwegs und geniesst fantastische Ausblicke auf das Schwarzbubenland, den Schwarzwald, die Vogesen und das Val Terbi.
Nach einiger Zeit biegt der Wanderweg links Richtung Ober Fringeli ab. Von da gehts steil abwärts – erst durch Wald, dann über Landwirtschaftsland, vorbei am Haselhof, und schon bald ist man wieder mitten in Bärschwil.
Nr. 2361
Hellbühl, Post
— Buttisholz, Dorf
• LU
Bei jedem Wetter auf dem Luzerner Kapellenweg
Neben klassischen Schönwetterwanderungen, die man wegen der Aussicht vorwiegend bei Sonnenschein unternimmt, gibt es Routen, die sich auch bei argem Hudelwetter begehen lassen. Der Luzerner Kapellenweg gehört dazu. Ihn säumen zahlreiche Kirchen und Kapellen, die einen lebendigen Einblick in die sakrale Architektur des Luzerner Hinterlands vermitteln – und gleichzeitig für Schutz vor den Unbilden der Witterung sorgen.
Der Kapellenweg beginnt bei Hellbühl und endet in Ettiswil. Mehr als fünf Stunden dauert die gesamte Tour. Wem das für einen neblig-nassen Tag zu lang ist, der beschränkt sich auf ein Teilstück. Empfehlenswert ist etwa die erste Hälfte der Route. Dieser Wandervorschlag beginnt mit dem einzigen nennenswerten Anstieg der Strecke: Von Hellbühl geht es 100 Höhenmeter aufwärts nach Hueb. Wenig später erreicht man mit der Katharinen-Kapelle bei Under Herreweg bereits den höchsten Punkt der Tour; von nun an wandert man meist ebenen Wegs via Ruswil, St. Ulrich und St. Ottilien nach Buttisholz.
Das sanft hügelige Rottal, durch das der Kapellenweg führt, ist eine Gegend mit intensiver landwirtschaftlicher Nutzung. Kornfelder, Wiesen und Weiden prägen die Gegend. Die Kehrseite der schmucken Medaille: Die meisten Bauernhöfe sind mit Strässchen erschlossen. Das Verkehrsaufkommen ist zwar gering, für Wandersleute ist die Sache trotzdem etwas unerfreulich: Der Kapellenweg verläuft zu mehr als der Hälfte auf Hartbelag.
Zwischen den asphaltierten Strecken gibt es glücklicherweise immer wieder naturnahe Abschnitte. Besonders reizvoll ist etwa das Teilstück von Rüediswil nach Buttisholz. An dieser Strecke liegt auch die Wallfahrtskapelle St. Ottilien. Mit ihrem achteckigen Grundriss und ihrer zierlichen Silhouette ist sie ein aussergewöhnliches Juwel unter den Sakralbauten der Schweiz.
Nr. 2360
Avers, Juf
— Mulegns
• GR
Steinreiche Wanderung über die Fallerfurgga
Die Schweizer Alpen sind ein vergleichsweise junges Gebirge und ein überaus komplexes Gebilde aus Gesteinen verschiedener Herkunft. Im Laufe der Zeit wurden die Gesteine verfaltet, zerschert und vielerorts wie in einem Ofen verflüssigt und umgeformt. Einer der spannendsten Orte, diese Vielfalt an Gesteinen und Strukturen zu sehen, ist die Fallerfurgga zwischen Juf und Bivio im südwestlichen Graubünden.
Vom Startpunkt Juf geht es anfänglich durch weite Wiesen und Weiden hoch zum Stallerberg-Pass. Auf dem weiteren Anstieg an den pittoresken Flüeseen vorbei hoch zur Fallerfurgga wird die Vegetation immer spärlicher, und die ganze Gesteinsvielfalt liegt einem nun zu Füssen. Das Gebiet des Mazzaspitzes linkerhand besteht vor allem aus Serpentinit, Kalk, Tonschiefer und Metabasalt. Der Piz Surpare auf der rechten Seite ist noch vielfältiger: Hier findet man Metarhyolithe, Radiolarite, Dolomite, Tonschiefer, Phyllite und Serpentinite. Stundenlang könnte man hier eine Sammlung von Steinen mit den schönsten Farben, eigentümlichsten Formen und rätselhaftesten Strukturen zusammenstellen.
Vom Pass geht es über grobes, aber unschwieriges Geröll hinab durch das lang gezogene Val Bercla. Wer ein ruhiges und idyllisches Plätzchen für eine längere Pause sucht, kann – falls der Bach nicht zu viel Wasser führt – auf 2500 Metern links abzweigen und erreicht über einfaches und wegloses Gelände den Lai Neir. Nach etwa 900 Metern Abstieg von der Fallerfurgga erreicht man Faller, mit ebenen, saftig grünen Wiesen und dem kleinen Weiler Tga. Schliesslich steigt man auf Wanderwegen und Waldstrassen durch das Val da Faller hinab zur Postautostation in Mulegns.
Nr. 2358
Lausanne, Lac Sauvabelin
— Lausanne
• VD
Lausanner Kulinarikwanderung
Den Kanton Waadt kann man in einem Tag erleben. Jedenfalls kulinarisch. Ob Käse aus den Alpes vaudoises in der Käserei Macharet, Bier aus dem Jorat aus dem Laden La Mise en Bière oder Eglifilets aus dem Genfersee in der Brasserie de Montbenon in der gleichnamigen Esplanade: All diese Köstlichkeiten liegen bei dieser Stadtwanderung in Lausanne am Weg.
Zu Beginn bringt der Bus die Wandernden nach «Lausanne, Lac Sauvabelin». Vom Seelein ist der Tour de Sauvabelin nur wenige Schritte entfernt. 151 Treppenstufen später belohnt einen das Panorama auf sämtliche Regionen des Waadtlandes. Danach geht es durch den Wald in den Parc de l’Hermitage. Beim Château Saint-Maire taucht man in die Altstadt ein, ganz nahe ist auch die Kathedrale Notre-Dame. Über die Escaliers du Marché führt der Weg zum Place de la Palud. Beim Schlendern durch die Altstadt und den moderneren Quartierteil Flon findet sich manch eine kulinarische Entdeckung.
Der markierte Wanderweg umgeht nun den unübersichtlichen Verkehrsknotenpunkt Flon und bringt mit der Esplanade de Montbenon wieder Ruhe. Durch den Chemin des Croix-Rouges und über die Geleise erreicht man den kleinen Weinberg Languedoc. Nun geht es durch die Chemins de Bon-Abri und du Chouchant zum Vallée de la Jeunesse. Geschaffen für die Expo 64, ist der Park mit den terrassenförmigen Rosenbeeten, einem geschwungenen Betondach und den Spielplätzen einen Besuch wert.
Weiter wandert man zum See und diesem entlang bis nach Ouchy, wo auf die Promenade de la Ficelle eingeschwenkt wird. Deren Name spielt auf die Standseilbahn an, die früher Material und Menschen ins industrielle Viertel von Flon transportierte. Unterdessen wurde sie von der Métro ersetzt. In Grancy oben – nahe dem Hauptbahnhof – lohnt sich der Abstecher in die Bäckerei Monco’Pain, um eine Tarte à la raisinée zu geniessen – ein Gebäck aus eingekochtem Apfel- oder Birnensaft aus dem Jura und dem Norden der Waadt.
Nr. 2357
Mézières VD, village
— Moudon
• VD
Auf den Spuren eines bekannten Waadtländer Malers
Eugène Burnand ist einer der wenigen Schweizer Künstler, die schon zu Lebzeiten Erfolg hatten und von ihren Werken leben konnten. Er war weitherum bekannt in Europa, wohnte zeitweise in Versailles, Florenz, Montpellier und Paris, wo er 1921 starb. Begraben wurde er aber in Vulliens im Jorat, diese Wanderung führt an seinem Grab vorbei.
Burnands Schweizer Spuren ziehen sich durch eine Landschaft mit stattlichen Bauernhöfen, aus Stein gebaut und heute meist gut erhalten, grossen Ställen und weiten Feldern und – im Herbst – riesigen Haufen von Zuckerrüben. Orte, die Burnand schon im 20. Jahrhundert in realistischem Stil malte – inklusive der Menschen, die hier mit einfachen Mitteln schufteten. Heute tun sie es mit Maschinen, so sind viele Wege dieser Wanderung asphaltiert. Doch das tut der kulturellen Tour keinen Abbruch – im Gegenteil, sie ist auch bei nassem Wetter gut machbar.
Man startet im waadtländischen Mézières, überquert den Carrouge und wandert auf die Anhöhe, von wo aus man die Hügelzüge gut sehen kann. Nach Vulliens erreicht man Seppey. In einem hiesigen Schloss hatte Burnand während des Ersten Weltkriegs gelebt und gearbeitet. Entstanden ist hier auch eines seiner Hauptwerke: «Labour dans le Jorat». Es zeigt zwei Männer mit Pflug, der von zwei Kühen und einem Pferd gezogen wird. Rechts im Bild ist das Dörfchen Syens erkennbar.
Bald ist die Broye erreicht, entlang welcher man schliesslich nach Moudon gelangt. In dessen Oberstadt ist dem grossen Maler eigens ein Museum gewidmet, das aber nicht täglich offen hat.
Nr. 2356
Sugiez
— Cudrefin
• VD
Wandern und beobachten in La Sauge
Dieser Ausflug erinnert an eine Matroschkapuppe, enthält er doch eine Wanderung in der Wanderung. Die zehn Kilometer lange Hauptroute führt von Sugiez im freiburgischen Vully bis nach Cudrefin am Waadtländer Ufer des Neuenburgersees. Auf halbem Weg empfiehlt sich die kurze Zusatzschlaufe durch das BirdLife-Naturzentrum in La Sauge.
Los geht es im Herzen des Drei-Seen-Lands, dem Broyekanal entlang. Der topfebene Weg windet sich zwischen Wiesen und Schilfgebieten hindurch bis nach La Sauge und hinein in die Grande Cariçaie, das grösste Seeuferfeuchtgebiet der Schweiz. Unterwegs lauscht man dem Rascheln der Schilfrohre und dem Zwitschern der Vögel und bekommt mit etwas Glück auch die eine oder andere Art zu Gesicht.
In La Sauge kann die Wanderung gegen Entrichtung eines Eintrittspreises um 500 Meter voller spannender Einblicke in die lokale Tier- und Pflanzenwelt verlängert werden. Dem Naturpfad des BirdLife-Naturzentrums entlang stehen vier Beobachtungshütten, überdacht und mit Sitzbänken ausgestattet. Seit 2001 wurden hier über 200 Vogelarten gesichtet. Eisvögel sowie Silber- und Seidenreiher zählen zu den Stammgästen, aber neben diesen und vielen anderen Vögeln sind an und in den Weihern des Zentrums auch Biber, Frösche und eine Vielzahl von Insekten und kleinen Wassertieren zu Hause. Je nachdem, wie geduldig man ist, kann man hier ein paar Minuten oder auch den ganzen Tag verbringen – am besten plant man für den Besuch etwa anderthalb Stunden ein.
Danach geht es weiter nach Cudrefin. Am Seeufer laden mehrere Strände und Picknickplätze nochmals zum Verweilen ein.
Nr. 2355
Ollon VD
— Le Bévieux
• VD
Durch die Kastanienselven im Chablais
In einigen Bergregionen waren Edelkastanien früher die Hauptnahrungsquelle. Nun werden die Hochstammanlagen – auch Selven genannt, von lateinisch «silva» für «Wald» – wieder vermehrt gepflegt und aufgeforstet. Gegen Ende Oktober fallen die reifen Früchte, beispielsweise auf der Wanderung von Ollon nach Bévieux. Von Grün über Gelb und Orange bis Tiefrot: Sobald man aus dem Dorf Ollon tritt, liegen einem die Rebberge zu Füssen, und es öffnet sich der Blick übers Rhonetal. Danach führt der Weg durch einen Wald, am Rand geschnitzte Holzfiguren. Da mischen sich zum ersten Mal stachelige Kugeln und längliche gezackte Blätter in die Eichen- und Buchenblätter – der erste Kastanienbaum.
Am Himmel kreisen zahlreiche Gleitschirme. Der Weiler Antagnes erstreckt sich entlang der Hauptstrasse, moderne Glashäuser mit Pool reihen sich an schwarzbraunes Holz alter Bauten. Nach einer erneut malerischen Passage durch die Rebberge folgt der Talgrund und etwas weiter hinten befinden sich die Salzminen von Bex. Die Minen können mit einer geführten Tour erkundet werden, im Shop gibt es weisses Salz – und schwarzen Kaffee.
Nach einem kurzen Aufstieg öffnet sich der Blick auf eine Kastanienselve: Neben alten, knorrigen Bäumen stehen mittelgrosse und auch sehr junge, frisch gesetzte Pflanzen mit Stützpfosten. Verschiedene Gemeinden im Chablais sind an Aufforstungsprojekten beteiligt, der Kanton Waadt unterstützt den Erhalt und die Pflege des Kastanienanbaus. Aber Achtung: Die Bäume sind Privatbesitz, das Sammeln in grossen Mengen ist nicht erlaubt.
Der Weg führt weiter hoch nach Fenalet-sur-Bex. Der alte Dorfkern besteht aus Holzhäusern mit liebevoll gepflegten Nutzgärten und hübschen Lauben für das Savoir-vivre. Ein drittes Mal durchwandert man Reben, diesmal auf einem steilen Weg aus Hartbelag. Nach einer kurzen Waldpassage erreicht man das Tagesziel Le Bévieux, den heutigen Hauptstandort der industriellen Salzgewinnung.
Nr. 2354
Rolle
— Prangins, Musée national
• VD
Von Schloss zu Schloss im Rebberg von La Côte
Schon die Römer haben entlang der Moräne, die der Rhonegletscher entlang des Genfersees formte, Wein angebaut. Vom Schloss Rolle führt der Weg den Hang hinauf in das rund 2000 Hektaren grosse Weinbaugebiet La Côte, eines der grössten der Schweiz. Bis Bugnaux, dem Kulminationspunkt der Wanderung, geht es vorbei an den Schlössern Le Rosey und Chatagneréaz. Wie in den Waadtländer Rebbergen üblich, verläuft der Weg meist auf asphaltierten Wegen. Die Sicht auf die Reben, den Genfersee und die Savoyer Alpen mit dem Mont Blanc entschädigt die Wandernden für diese Mühsal.
Am Château de Vincy vorbei führt der Weg über Gilly nach Bursins, der Heimat von Bundesrat Guy Parmelin. Sein Dorf zählt neben zwei Schlössern auch zwei typische Landbeizen, die zu einem Glas Chasselas einladen. Weiter geht es durch die Reben Richtung Westen an den zwei Schlössern in Vinzel vorbei nach Luins. Ein Abstecher hinter die strassenseitige Mauer des Schlosses lohnt sich, vor allem, wenn der Degustationsraum geöffnet hat.
Nun führt der Weg leicht bergauf Richtung Begnins, dem Dorf mit der grössten Schlossdichte. Am besten zu sehen ist vom Weg aus das Manoir de Cottens, während vom Château de Menthon und vom Château de Martheray nur die Rückseite oder die Aussenmauer sichtbar sind. Einzig von Le Manoir im Dorfkern ist die repräsentative Fassade von der Strasse aus zu sehen.
Von Begnins führt der Weg hinunter zum Bach La Serine. Fortan geht es auf Naturwegen im Schutz schmaler Waldstreifen vorwärts. Während des Zweiten Weltkriegs baute die Armee hier eine Verteidigungslinie. Die Tobleronezacken aus Beton sowie ein entsprechender Lehrpfad säumen den Weg zum Genfersee. Linkerhand befindet sich auf dem Gelände der Villen von Napoleons Nachkommen ein Golfplatz. Nach einer kurzen Einkehr im Strandbistro von Promenthoux geht es das letzte Stück hoch zur welschen Dépendance des Nationalmuseums im Schloss Prangins.
Nr. 1791
Lally
— Les Avants
• VD
Auf dem Gipfel von Le Folly
Bauten aus Lärchenholz sind in der Schweiz so beliebt geworden, dass die Nachfrage mittlerweile das Angebot übersteigt. Das langlebige, strapazierfähige Material wird dabei vor allem für Hausteile verwendet, die besonders stark der Witterung ausgesetzt sind, wie Fassadenverkleidungen oder Terrassen. Aufgegriffen wurde dieser Trend auch von den Initiatoren des 2017 eröffneten Zentrums «Espace Régional des Pléiades» im waadtländischen Blonay. Sie entschieden sich schliesslich für eine hinterlüftete Fassade aus Lärchenholz. Das Mehrzweckgebäude, zu dem ein Restaurant mit Aussichtsterrasse gehört – das «Le 1209» –, ist der ideale Ort für einen letzten Kaffee, bevor man die Wanderung in Angriff nimmt.
Vom Bahnhof von Lally sind es auf dem markierten Wanderweg nur wenige Gehminuten bis zum «Le 1209». Nach der Kaffeepause führt die Route weiter bis zum Naturschutzgebiet von Les Tenasses, bevor es rechterhand hinunter zum Refuge des Pautex geht. Beim Punkt 1153 beginnt der Wiederaufstieg – zuerst durch den Wald, danach über offenes Gelände – in Richtung des Chalet de Montbrion. Hinter einem Pass folgt ein kurzes Stück entlang der Flanke von Le Folly, und ab Punkt 1612 führt ein steiler Weg bis auf den Gipfel, von wo aus sich ein schöner Ausblick auf den Genfersee bietet. Der Abstieg erfolgt auf dem nicht markierten Pfad nach La Forcla. Zurück auf dem offiziellen Wanderweg gelangt man via den See Goille aux Cerfs nach La Cergniaule und ab da, nun leider auf Asphalt, nach Sonloup. Hier nimmt man entweder das letzte, steile Wegstück durch den Wald hinunter nach Les Avants unter die Füsse oder lässt sich bequem mit der Standseilbahn ins Tal transportieren.
Nr. 0903
Champéry
• VS
Zu Besuch bei den Zugvögeln
Im Spätsommer und im Herbst fliegen täglich unzählige Vögel über den Col de Bretolet in den Süden. Seit über 60 Jahren betreibt die Vogelwarte Sempach hier eine Beringungsstation. Sie ist nur zu Fuss erreichbar. Die Wanderung ist aber auch mit Kindern gut machbar. In diesem Fall sollte man die Tour aber in zwei Etappen aufteilen. Nachdem man ab Champéry für einige Zeit geteerten Strassen folgen muss, biegt man nach dem Campingplatz, der etwas ausserhalb des Orts liegt, in einen kleineren Weg ein. Er steigt durch eine Schlucht gemächlich an und überquert das Bächlein über eine lustige Holzbrücke. Dann überwindet er die Schlucht auf der rechten Seite und führt nun in einem steten Auf und Ab über Heidelbeerfelder und durch kleine Wälder. Bald darauf erblickt man die wenigen Häuser von Barme. Barme liegt zwischen Bergen eingebettet auf einem Plateau. Es gibt hier saftige grüne Wiesen, ein fröhlich plätscherndes Bächlein und Kühe. Die beiden einfachen Gasthöfe sind üppig mit Blumen geschmückt. Im Hochsommer gibt es auch einen Bus, der regelmässig von Champéry nach Barme fährt. Wer lieber kürzere Wanderetappen mag, übernachtet hier und steigt erst am nächsten Morgen zu den Pässen Col de Bretolet und Col de Cou auf. So bleibt auch genügend Zeit, um der Vogelberingungsstation einen Besuch abzustatten - die Verantwortlichen geben gerne Auskunft. Vom Col de Bretolet auf den Col de Cou ist es ein Katzensprung, der Weg führt den Grat entlang - hier kann es je nachdem recht windig werden. Auf dem Col de Cou steht ein Zollhäuschen, das bis vor einigen Jahren noch in Betrieb war. Nun geht es die gut tausend Meter, die man aufgestiegen ist, wieder runter, der Abstieg ist aber meistens sehr sanft.