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Aus der Wanderwelt

«Hinter vielen Brücken stecken Geschichten»

Der «Mobiliar Fonds Brücken & Stege» hat zusammen mit den Schweizer Wanderwegen bereits 100 Projekte mitfinanziert. Zeit für einen Marschhalt: Martina Marchesi Marchesi, Leiterin Nachhaltigkeit der Versicherung, spricht über die nächsten Ziele.
10.04.2026 • Interview: Reto Wissmann
Auch die Teufelsbrücke in der Nähe von Kemmeribodenbad BE wurde vom Fonds unterstützt. © Nicole Matschoss

200 Jahre Mobiliar, 7 Jahre Fonds, 100 unterstützte Brückenprojekte: Welche Ziele haben Sie mit diesem Engagement bisher erreicht?

Martina Marchesi: Allein schon die Zahl von 100 unterstützten Projekten ist ein schönes Ergebnis. Mit der Unterstützung von Brückenprojekten auf dem Wanderwegnetz konnten wir in den letzten Jahren ganz nach unserem Jubiläumsmotto «Besser zusammen» gemeinsam mit den Schweizer Wanderwegen dazu beitragen, dass sich in allen Teilen der Schweiz Regionen und Menschen näherkommen.

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Zur Person

Martina Marchesi ist im Puschlav aufgewachsen, hat nach einer Lehre als Hochbauzeichnerin in Zürich Politik und Umweltwissenschaften studiert und arbeitet seit über 20 Jahren im Bereich Nachhaltigkeit. Seit fünf Jahren leitet die 55-Jährige bei der Mobiliar Versicherung die Abteilung Nachhaltigkeit. Sie lebt in der Region Zürich.

Wie geht es weiter?

Der Klimawandel und das Thema Naturgefahren werden zunehmend zur Herausforderung, auch auf den Wanderwegen. Immer wieder werden Brücken und Stege von Lawinen, Erdrutschen, Überschwemmungen oder Steinschlägen beschädigt oder zerstört. Das wird die Arbeit der Wanderwegverantwortlichen in Zukunft noch stärker prägen. Zudem bleibt die gesellschaftliche Seite weiter im Fokus: Wandern ist die beliebteste Breitensportart in der Schweiz, fördert die Gesundheit und hilft vielen Menschen beim Abschalten und beim Stressabbau. Man könnte Wandern als Resilienzmassnahme bezeichnen. Mit dem «Mobiliar Fonds Brücken & Stege» leisten wir dazu einen Beitrag.

Wie ist dieses Engagement entstanden? Und warum gerade für Brücken?

Wir haben nach einem sichtbaren, nachhaltigen Projekt gesucht, von dem in der ganzen Schweiz möglichst viele Menschen profitieren können. Für die Gemeinden und die kantonalen Wanderweg-Fachorganisationen sind Neu- und Ersatzbauten von Brücken und Stegen oft eine grosse finanzielle Belastung. Daraus ergab sich eine Lösung, von der sowohl Gemeinden als auch Wanderwegorganisationen profitieren. Die verbindende Symbolik von Brücken passt zudem sehr gut zu unserer Unternehmensphilosophie.

Wie viel Geld ist bisher in die Erneuerung und den Ersatz von Brücken und Stegen geflossen?

Die Partnerschaft zwischen der Mobiliar und den Schweizer Wanderwegen existiert seit acht Jahren. Konkrete Projekte unterstützen wir seit sieben Jahren. Seither fliessen jedes Jahr 350 000 Franken in den Fonds.

Woher stammt dieses Geld?

Als Genossenschaft beteiligen wir unsere Kundinnen und Kunden am Erfolg und engagieren uns darüber hinaus für die Allgemeinheit.

Wie stellen Sie sicher, dass das Geld überall sinnvoll eingesetzt wird?

Beim Fonds ist klar geregelt und öffentlich einsehbar, wie die Gelder vergeben werden. Fachleute der Schweizer Wanderwege prüfen die Gesuche. Welche Projekte schliesslich konkret unterstützt werden, entscheidet einmal pro Jahr eine Jury aus Vertreterinnen und Vertretern der Mobiliar sowie der Schweizer Wanderwege.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsprojekt unter den 100 bereits realisierten?

Ich habe kein eigentliches Lieblingsprojekt, aber hinter vielen Brücken stecken besondere Geschichten. Während der Unwetter im Sommer 2024 wurden zum Beispiel im Goms über zwei Dutzend Brücken beschädigt. Unterdessen konnten dank der Unterstützung verschiedener Partner mehrere Brücken bereits wieder aufgebaut und eröffnet werden. In einem Naherholungsgebiet im thurgauischen Münchwilen – als weiteres schönes Beispiel – wurde der bestehende Frauwissteg durch eine breitere Konstruktion ersetzt. Damit ist er jetzt rollstuhlgängig und auch für Bewohnerinnen und Bewohner des nahen Zentrums für Menschen mit schwerer Mehrfachbeeinträchtigung besser nutzbar.

Wandern Sie selbst oft über Mobiliar-Brücken?

Ich bin sehr gerne in der Natur unterwegs und komme dabei auch über Brücken, die der Fonds unterstützt hat. Zudem darf ich manchmal an Eröffnungen teilnehmen, wie kürzlich an jener der Teufelsbrücke in der Nähe von Kemmeribodenbad. Drei Gemeinden haben sich dort zusammengetan, um die durch Unwetter zerstörte Brücke wieder aufzubauen. Die neue Konstruktion als Hängebrücke ist sehr eindrücklich.

Bekommen Sie Rückmeldungen von Wandernden zu realisierten Brückenprojekten?

Die Rückmeldungen gehen vor allem an unsere Generalagenturen vor Ort. Das Engagement wird von der Bevölkerung und den Medien lokal wahrgenommen und sehr geschätzt. Selbst bekomme ich ab und zu auch Fotos oder Mitteilungen aus meinem privaten Umfeld, wenn zum Beispiel die Lieblingswanderung einer Bekannten dank einer neuen Brücke sicherer oder angenehmer geworden ist.

Im Rahmen des 200-Jahr-Jubiläums gibt es ein Projekt, das Suissepartout heisst. Was hat es damit auf sich?

Auch dabei geht es darum, gemeinsam die Schweiz zu entdecken. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unserer 80 Generalagenturen haben 80 Routen mit ihren lokalen Höhepunkten zusammengestellt. Einige führen auch über Brücken und Stege, die vom Mobiliar-Fonds unterstützt worden sind. Zum Beispiel über die Holzbrücke in Môtiers im Val de Travers.

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Die Holzbrücke bei Môtiers im Val de Travers NE erhielt finanzielle Unterstützung der Mobiliar. © Nicole Matschoss

Neben den Schweizer Wanderwegen ist die Mobiliar Partnerin des SAC. Warum dieses grosse Engagement in den Bergen?

Wir wollen uns in der ganzen Schweiz engagieren und machen natürlich auch viel im Siedlungsgebiet – zum Beispiel Präventionsprojekte zum Schutz vor Naturgefahren oder das Schwammstadt-Engagement zur Abmilderung der Folgen des Klimawandels. Zur Schweiz gehören aber auch die Berge, und hier setzen wir uns für mehr Resilienz im Alpenraum ein. Bei den Wanderwegen konzentrieren wir uns auf Brücken, bei den SAC-Hütten auf die nachhaltige Wasser- und Energieversorgung.

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    Reto Wissmann

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