Die Kastanien werden bei der Ernte in Handarbeit aufgelesen.
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Wanderreportagen
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Im Tessin? Nein, in der Waadt
Auf der Wanderung von Ollon nach Le Bévieux streift man durch Kastanienselven. Die Edelkastanie gilt als anpassungsfähig und kommt gut mit Trockenheit zurecht, sie wird deshalb vom Kanton Waadt gefördert. Gegen Ende Oktober fallen die reifen Früchte.
Nr. 2355
Ollon VD
— Le Bévieux
• VD
Durch die Kastanienselven im Chablais
In einigen Bergregionen waren Edelkastanien früher die Hauptnahrungsquelle. Nun werden die Hochstammanlagen – auch Selven genannt, von lateinisch «silva» für «Wald» – wieder vermehrt gepflegt und aufgeforstet. Gegen Ende Oktober fallen die reifen Früchte, beispielsweise auf der Wanderung von Ollon nach Bévieux. Von Grün über Gelb und Orange bis Tiefrot: Sobald man aus dem Dorf Ollon tritt, liegen einem die Rebberge zu Füssen, und es öffnet sich der Blick übers Rhonetal. Danach führt der Weg durch einen Wald, am Rand geschnitzte Holzfiguren. Da mischen sich zum ersten Mal stachelige Kugeln und längliche gezackte Blätter in die Eichen- und Buchenblätter – der erste Kastanienbaum.
Am Himmel kreisen zahlreiche Gleitschirme. Der Weiler Antagnes erstreckt sich entlang der Hauptstrasse, moderne Glashäuser mit Pool reihen sich an schwarzbraunes Holz alter Bauten. Nach einer erneut malerischen Passage durch die Rebberge folgt der Talgrund und etwas weiter hinten befinden sich die Salzminen von Bex. Die Minen können mit einer geführten Tour erkundet werden, im Shop gibt es weisses Salz – und schwarzen Kaffee.
Nach einem kurzen Aufstieg öffnet sich der Blick auf eine Kastanienselve: Neben alten, knorrigen Bäumen stehen mittelgrosse und auch sehr junge, frisch gesetzte Pflanzen mit Stützpfosten. Verschiedene Gemeinden im Chablais sind an Aufforstungsprojekten beteiligt, der Kanton Waadt unterstützt den Erhalt und die Pflege des Kastanienanbaus. Aber Achtung: Die Bäume sind Privatbesitz, das Sammeln in grossen Mengen ist nicht erlaubt.
Der Weg führt weiter hoch nach Fenalet-sur-Bex. Der alte Dorfkern besteht aus Holzhäusern mit liebevoll gepflegten Nutzgärten und hübschen Lauben für das Savoir-vivre. Ein drittes Mal durchwandert man Reben, diesmal auf einem steilen Weg aus Hartbelag. Nach einer kurzen Waldpassage erreicht man das Tagesziel Le Bévieux, den heutigen Hauptstandort der industriellen Salzgewinnung.