«Ich bin eine bekennende Flachlandwanderin»
Mona, bis zum Drehtag von «Mona mittendrin» wusstest du nicht, in welches Arbeitsfeld du diesmal eintauchen würdest. Ab wann hast du geahnt, dass es um Wanderwege gehen würde?
Ich war erst völlig auf der falschen Fährte. Ich habe eine Karte eines Waldstücks in die Hand gedrückt bekommen, und dachte, wir besuchen bestimmt ein Vogelschutzgebiet und beringen Schleiereulen. Dann habe ich erfahren, dass ich es stattdessen mit den Wandervögeln zu tun habe. Mein erster Gedanke: Oh nein, etwas langweilig! Dass ich dann so viel lerne, hätte ich nie gedacht. Der Tag hat mir die Augen geöffnet.
Wieso?
Alle kennen die Wanderwege, aber nur die wenigsten wissen, was alles dahintersteckt. Hinter jedem Weg verbergen sich so viel Freiwilligenarbeit, Präzision, Sorgfalt, Kreativität und gleichzeitig ein klares Regelwerk. Im Prinzip sind die Wanderwege ein Abbild des Typisch-Schweizerischen.
Wie meinst du das genau?
Die Freiwilligen der Wanderwege sind beispielsweise Teil unseres Milizsystems: In unserem Trupp hatte jede und jeder einen anderen Beruf – und alle bringen ein, was sie können.
Oder nehmen wir den Kantönligeist: Auch bei den Wanderwegen schaut jeder Kanton selbst, wie er die Wege umsetzt, und trotzdem funktioniert das grosse Zusammenspiel. Das ist eine Kunst unseres Landes, die sich hier im Kleinen widerspiegelt. Gleichzeitig ist bei den Unterhaltsarbeiten oft Innovationsgeist gefragt – auch das eine Stärke unseres Landes.
Wo hast du das festgestellt?
Als ich zusammen mit dem Bautrupp ein morsches Brücklein durch ein neues ersetzt habe, da habe ich gefragt: Von wo nehmt ihr das Material? Die Antwort war: Die Steine kommen von einem Friedhof, wo sie nicht mehr gebraucht werden. Oft wird bestehendes Material wiederverwendet. Jeder ist ein Tüftler. So ist die Freiwillige Gaby beispielsweise immer mit ihrem Hund unterwegs, wenn sie die Wegmarkierungen auffrischt. Damit sie nicht jedes Mal gelbe Finger bekommt, wenn sie einen Rhombus neu malt, schlüpft sie mit ihrer Hand kurzerhand in ein Robidog-Säckli – quasi als Handschuh. Mir ist es so vorgekommen, als habe jeder und jede Freiwillige ein eigenes kleines James-Bond-Köfferchen mit allerlei cleveren Utensilien dabei.
Was hast du abgesehen vom Brücklein-Neubau noch gemacht?
Gaby hat mich auch in die Kunst des Wegweiserschildputzens eingeführt. Ihr Motto: Entweder richtig oder gar nicht. Sie hat mir ihren Eifer so erklärt: Wenn du in der Landschaft einen krummen, grün bewachsenen Wegweiser antriffst, dann glaubst du dem einfach nicht. Einem gepflegten Wegweiser hingegen kannst du vertrauen: Da kümmert sich jemand um die Wege. Das hat mir eingeleuchtet. Seither schaue ich die Rhomben durch Gabys Augen an. Dem ganzen Drehteam geht es so. In unserem Chat bekomme ich immer wieder Fotos mit dem Kommentar: «Da müsste Gaby auch mal durch.»
SRF
Mittlerweile sind schon wieder ein paar Monate seit dem Dreh vergangen. Was hallt noch nach?
Einerseits, was für wunderschöne Flecken Erde direkt vor unserer Nase liegen, wie etwa diese Enklave des Kantons Luzern, der Chieme, wo wir unterwegs waren. Andererseits finde ich es prima, dass auch darüber berichtet wird, was in unserem Land gut läuft. Der Tag hat gezeigt: Sehr viele Leute engagieren sich, leisten tolle Arbeit. Und tragen damit zu einem Wanderwegnetz bei, das weltweit einzigartig ist.
Hinter den Kulissen: Mona malt einen gelben Rhombus an den Baum. © Carmen Meyer
Hat dich der Dreh auch zum Wandern motiviert?
Ja, schon! Aber nicht in den Bergen. Ich bin eine bekennende Flachlandwanderin. Das Zürcher Unterland hat für mich mindestens so viel zu bieten wie das Hochgebirge.
Das hört man eher selten.
Das ist das Schöne am Wandern: Für jeden gibt es die passende Form. Es kostet dich fast nichts, und Hierarchien verschwinden: Im Wanderhemd weisst du nicht, wer Büezer oder wer CEO ist. Der Weg ist für alle gleich lang. So gesehen, ist Wandern sehr demokratisch.
Stimmt. Aber was gefällt dir so am Wandern im Mittelland?
Ich bin gerne in Dörfern und Städten unterwegs. Da siehst du, wie die Leute wirklich leben. Ich komme auch immer gleich ins Gespräch mit den Leuten und versuche, etwas herauszufinden, zu dokumentieren. Eine Berufskrankheit.
Letztens wanderte ich beispielsweise im Kanton Aargau an einem Verteilzentrum von Coop vorbei. Das fand ich total spannend. Da siehst du, wo unsere Nahrungsmittel überall durchkommen. Klar, es ist keine Idylle. Aber es ist das Leben. Das sagt mir mehr als ein Geröllhang. Ich bin nicht auf der Suche nach Einsamkeit. Und trotzdem wandere ich gerne alleine.
Warum?
Für andere bin ich eine Herausforderung beim Wandern. Ich mache zu viele Fotos und interessiere mich für so vieles. Das bedeutet ständiges Stop-and-go. Mein Mann hingegen läuft am liebsten schnell und kontinuierlich. Inzwischen hat er die Erlaubnis bekommen, schon mal allein vorzugehen. Es muss wohl eine Art von Liebe im Spiel sein, um mit mir wandern zu gehen.
Info
Die Sendung «Mona mittendrin» mit den Luzerner Wanderwegen wurde am 2. September 2026 erstmals ausgestrahlt und kann auf Play SRF nachgeschaut werden.
srf.ch/play/tv