Wasser ist der wichtigste Proviant auf der Wanderung. Regelmässiges und ausreichendes Trinken ist deshalb entscheidend für Gesundheit und dauerhafte Leistungsfähigkeit. Schon ein Flüssigkeitsverlust von ein bis zwei Prozent des Körpergewichts führt zu ersten spürbaren Einschränkungen wie geringerer Ausdauer, steigender Herzfrequenz und schnellerer Ermüdung. Ab zwei bis drei Prozent sinkt die Leistungsfähigkeit deutlich, ab vier drohen Kreislaufprobleme.
Mitführen oder nachfüllen
Der Körper verliert beim Wandern je nach Temperatur, Höhenlage und Intensität zwischen einem halben und über einem Liter Flüssigkeit pro Stunde. Experten empfehlen deshalb, bei moderaten Touren mindestens zwei bis drei Liter täglich zu trinken, bei Hitze oder anspruchsvollen Etappen entsprechend mehr.
Drei Liter Flüssigkeit zu kompensieren bedeutet in der Regel auch drei Kilogramm Zusatzgewicht im Rucksack. Es sei denn, man trägt nicht die ganze Flüssigkeit mit. In der Praxis könnte die Strategie so aussehen: Mit etwa einem bis eineinhalb Litern starten, morgens und abends ausreichend trinken und unterwegs wann immer möglich nachfüllen.
Vom richtigen Trinken
Ob man wirklich wie empfohlen alle 20 Minuten ein paar Schlucke Wasser zu sich nimmt oder das Trinken auf bewusst eingelegte individuelle Pausen verteilt, muss jede oder jeder selbst entscheiden. Wenig sinnvoll ist es, selten und sehr viel auf einmal zu trinken, da der Körper maximal etwa 400 bis 800 Milliliter pro Stunde verarbeiten kann. Damit der Körper keine Energie verbraucht, um kalte Getränke aufzuwärmen, können diese temperiert genossen werden.
Ob man letztlich Wasser, Tee, verdünnte Obstsäfte, natriumreiches Mineralwasser oder ein isotonisches Sportgetränk bevorzugt, ist Geschmackssache. Stark zuckerhaltige Getränke löschen den Durst schlechter als Wasser, da sie langsamer vom Magen in den Darm gelangen und die Flüssigkeit verzögert aufgenommen wird. Für den Ausgleich des Elektrolytverlustes reicht bei normalen Wanderungen meist die feste Verpflegung, beispielsweise Bananen, Vollkornbrot oder Nüsse. Bei sehr anstrengenden Etappen oder hohen Temperaturen kann man dem Getränk Elektrolyte in Pulverform beifügen.
Getränke transportieren
Für den Transport gibt es drei gängige Optionen, wobei die gute Zugänglichkeit entscheidend ist. Muss man erst lange nach dem Getränkebehältnis suchen, wird erfahrungsgemäss zu wenig getrunken.
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Trinkflaschen aus Edelstahl oder Kunststoff sind robust und können in den offenen Seitentaschen des Rucksacks verstaut werden. Flexible Trinkblasen mit Schlauch und Mundstück aus Kunststoff werden im Rucksack in speziellen Fächern transportiert. Es gibt sie in verschiedenen Grössen von einem bis drei Litern. Aus ihnen kann man jederzeit und ohne Anzuhalten trinken.
Clever sind kleine Trinkbeutel, sogenannte Softflasks, die im leeren Zustand kaum Platz benötigen. Sie haben meist ein Volumen von 300 oder 500 Millilitern und können bei vielen Rucksäcken in elastischen Taschen auf den Schulterträgern verstaut werden. Dadurch sind sie schnell zur Hand. Minimalisten verwenden oft sehr leichte PET-Flaschen aus dem Getränkemarkt. Sie wiegen fast nichts und sind gut verstaubar.
Alle diese Trinkbehältnisse haben aber auch Nachteile. So wiegen Edelstahlflaschen 200 bis 300 Gramm oder mehr. Softflasks und Trinkblasen haben Schwächen bei Reinigung sowie Haltbarkeit, und PET-Flaschen sind zwar extrem leicht, aber weniger robust. Immer mehr wird auch Mikroplastik zum Thema – das gesundheitliche Risiko wird derzeit erforscht, gilt bei normaler Nutzung derzeit als gering.
Wasser mechanisch filtern
Gerade in den Schweizer Bergen trifft man häufig auf Bäche oder Quellen, die in höheren Lagen oft sauberes Wasser führen. Auch Brunnen gibt es viele, das Nachfüllen ist meist bedenkenlos. Wasser aus Gewässern unterhalb von bewirtschafteten Alpen mit Viehbetrieb, Landwirtschaft oder Hütten sollte man nicht ungefiltert trinken. Im Zweifel gilt: lieber filtern oder behandeln.
Lifestraw
Zur Wasseraufbereitung gibt es drei Methoden. Bei der mechanischen Filtration wird das Wasser durch ein mikroporöses Filtermedium – zum Beispiel aus Keramik oder Hohlfasern – gepumpt. Damit lassen sich Schmutz, Bakterien und Parasiten entfernen. Sehr kleine Partikel wie Viren oder Protozoen werden allerdings nicht von allen Outdoorfiltern zuverlässig zurückgehalten – hier sind die Angaben des Herstellers zu beachten.
Die chemische Keule
Mit Tabletten oder Tropfen auf Basis von Chlor oder Silber kann man Mikroorganismen chemisch abtöten und das Wasser desinfizieren. Sie wirken auch gegen Viren, erfordern jedoch eine gewisse Einwirkzeit und können den Geschmack beeinflussen.
Sehr kompakt sind Trinkhalmfilter. Sie werden gerne von Minimalisten verwendet oder als Notfallsystem mitgenommen. Die meisten dieser Hohlfaserfilter entfernen allerdings keine Viren, und man kann das Wasser nicht auf Vorrat filtern.
Mit Aktivkohle lassen sich der Geschmack verbessern und chemische Stoffe entfernen, Keime jedoch nicht. Geräte zur UV-Licht-Bestrahlung machen Mikroorganismen unschädlich, sind aber für Wanderungen weniger praktikabel, da sie batteriebetrieben sind.
Wasser finden
Digitale Plattformen wie Open-Street-Map oder spezialisierte Karten wie von Swisstopo verzeichnen mittlerweile zumindest teilweise Brunnen oder Quellen. Ob diese Stellen tatsächlich Wasser führen und ob es trinkbar ist, zeigt nur eine Überprüfung vor Ort.
Scott Rinckenberger / Cascade
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