Tabeillon_00015
Wanderreportagen ABO

Im Rhythmus des Wassers

Auf einen Blick: Tabeillon JU
10.07.2026 • Text und Bilder: Pascal Bourquin
Das Wasser des Tabeillon spielt seit jeher eine wichtige Rolle – nicht nur zur Erholung der Wandernden an einem Weiher.

Beim Wandern entlang des Tabeillon, vom Vallée de Delémont in die Freiberge, gibt das Wasser den Rhythmus vor. Mal schlängelt sich der Fluss zwischen Felsen hindurch, mal staut er sich zu hübschen Weihern, in denen sich der Himmel und die Bäume spiegeln.

Auf dem breiten Weg zwischen Glovelier und Le Prépetitjean lässt sich die Natur entspannt geniessen. Wer die Route flussaufwärts bestreitet, wandert gewissermassen vom Schatten ins Licht, durchquert man doch zuerst einen mitunter sehr dichten Wald und danach eine wilde Schlucht, bevor man schliesslich das Hochplateau mit seinen Wytweiden erreicht.

Wasser hat in dieser Region schon immer eine wichtige Rolle gespielt, insbesondere auch in wirtschaftlicher Hinsicht. So versorgten die beiden im 16. Jahrhundert angelegten Weiher Etang de Bollement und Etang du Plain de Saigne vier Jahrhunderte lang die heimische Industrie mit Energie. Seither sind diese Gewässer nicht zuletzt zu Aushängeschildern des lokalen Tourismus geworden und zieren unter anderem auch die Prospekte, mit denen der Jura den Langsamverkehr bewirbt.

Die reiche Fauna und Flora am Tabeillon ist ebenfalls ein starkes Argument für einen Besuch. Das nahezu unberührte Feuchtgebiet – abgesehen von der sich in die Umgebung einfügenden Bahnlinie der Chemins de fer du Jura – ist Lebensraum einer Fülle verschiedener Arten, weshalb auch viele Tierfotografen und Botanikerinnen den Weg hierher finden.

Dem Lauf des Tabeillon entlang
Glovelier — Pré-Petitjean • JU

Dem Lauf des Tabeillon entlang

Der Streifzug durch die jurassischen Freiberge wird begleitet vom sanften Murmeln des Tabeillon, dem die Route von Glovelier bis nach Le Prépetitjean zu weiten Teilen folgt. Am Dorfausgang geht der Asphalt in einen breiten Naturweg über, der immer wieder durch schattige Waldstücke führt. Der Aufstieg ist sanft und kaum wahrnehmbar. Die erste, keine besonderen Anforderungen stellende Hälfte der Wanderung ist geprägt von der Ruhe der Landschaft und den Düften der Natur. Unterwegs lassen sich Glockenblumen entdecken und hier und da ein paar Walderdbeeren pflücken. Spektakulärer wird es auf dem nächsten Abschnitt. Zwischen Côte du Droit und Envers de Bollement taucht der Weg in eine Schlucht, die von einer alten Mühle bewacht wird. Wieso hier eine Mühle steht? Das wird bald klar, stösst man doch einige Hundert Meter weiter auf ein altes Schaufelrad und den malerischen Etang de Bollement. Lehrtafeln erläutern, dass dieser künstliche Weiher, angelegt im 16. Jahrhundert, einst wertvolle Wasserkraft für die Verarbeitung von Holz und Getreide lieferte. Flussabwärts standen damals mehrere Schaufelräder, die Sägewerke und Kornmühlen antrieben. Etwas weiter erzählt der Etang du Plain de Saigne eine ähnliche Geschichte. Zwar werden diese Gewässer heute nicht mehr industriell genutzt, doch dafür bewahren sie einen grossen ökologischen Wert, eingebettet in eine Landschaft, die wesentlich zum Reiz dieser Route beiträgt. Die letzten Kilometer über für die Freiberge typische Wytweiden bilden den beschaulichen Abschluss der Wanderung, die am kleinen Bahnhof von Le Prépetitjean endet.

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