Anruf bei Paul Müller, Technischer Leiter der Bündner Wanderwege:
«Unsere Wegweiser sind schweizweit einzigartig. Man sieht sie nicht nur, man kann sie auch fühlen: Dank Reliefguss ist die Schrift erhaben. Jede gelbe Tafel wird von Hand gegossen, geschliffen, lackiert und die Schrift wird mit einem schwarzen Roller aufgetragen – das ist pure Handarbeit. Und dauert rund eineinhalb Monate.
In anderen Kantonen entstehen Wegweiser im Sieb- oder Digitaldruck. In Graubünden hingegen hat sich das Gussverfahren seit den 1920er-Jahren erhalten, und das aus einem guten Grund: Es garantiert eine deutlich längere Lebensdauer. In einem Kanton mit 11 000 Kilometern Wanderwegen, 12 000 Wegweiserstandorten und 43 000 gelben Tafeln ist das ein grosser Vorteil.
Selbst wenn die Farbe abblättert, bleiben die Wegweiser lesbar. Manche Tafeln hängen seit 1930 im Gelände! Nicht umsonst gibt der Hersteller 50 Jahre Garantie. Das gilt jedoch nicht für die Farbe. Besonders an Strassen wird diese vom Streusalz angefressen. Deshalb lackieren wir sie im Winter frisch. Danach sehen sie wieder aus wie neu.
Klar, unsere Wegweiser sind in der Produktion etwas teurer als andere. Eine Tafel kostet mindestens 150 Franken, ist dafür aber dreimal langlebiger. Das zahlt sich aus, wenn ein Schild auf 3500 m ü. M. nicht alle zehn Jahre ersetzt werden muss.
Zur Haltbarkeit trägt auch die Zentralmontage bei: Die Tafeln sind mittig an der Stange befestigt und dadurch in alpinen Lagen mit viel Schnee und Wind stabiler als Wegweiser mit seitlicher Montage. Dadurch kann man sie zwar nur einseitig beschriften. Aber Wandernde sind ja nicht auf der Flucht – sie haben Zeit, den Wegweiser zu umrunden.
Unsere Relief-Wegweiser sind mittlerweile Teil der DNA des Wanderns in Graubünden geworden. Sie sind mehr als wegweisende Tafeln – sie sind ein Kulturgut.»