Was für ein Gefühl, auf einer grossen Schaukel hin- und herzuschwingen und den Lago Maggiore, die Magadinoebene und Bellinzona zu Füssen zu haben. Das spektakulär-luftige Erlebnis gibt es auf dem Gipfel des Mattro, eines unscheinbaren Bergs über dem Ceneri-Basistunnel. Für den Adrenalinkick nimmt man einiges an Höhenmetern auf sich. Zudem ist der Pfad auf den Gipfel nicht markiert und erfordert Schwindelfreiheit und sicheren Tritt.
Die Wanderung beginnt im hübschen Dorf Isone. Durch Buchen- und Kastanienwälder gelangt man in moderater Steigung zur Alp Pedrinasco. Etwa eine Viertelstunde nach der Alp weist ein markierter Stein den Weg auf den Mattro. Erst hier verlässt man den signalisierten Wanderweg. Das weisse Abzweigerschild mit der Schaukel bei der Alp Pedrinasco wird ignoriert, dieser Weg führt nicht ans Ziel.
Hat man den Mattro geschafft, geht es an den Abstieg nach S. Antonino – mit eindrücklichem Tiefblick aufs Wirrwarr aus Strassen und Schienen, wo hinter Bellinzona die Züge im Ceneri-Basistunnel verschwinden und die Autos sich auf der Passautobahn drängen. Nach Cima di Dentro ist der Wald erneut treuer Begleiter, manch knorrige Kastanie säumt den Weg.
Beim Punkt 576 / Monte dei Pedrelli wartet der zweite Leckerbissen des Tages. Ein Abstecher auf der Waldstrasse Richtung Pianaccio führt zum Arboreto Copera. Die nicht öffentlich zugängliche forstliche Versuchsfläche Copera wurde in den 1950er-Jahren mit 71 Baumarten bepflanzt, davon 49 exotischen. Es ging darum, herauszufinden, welche Arten sich als Alternative zur Kastanie eignen könnten, die damals von Kastanienrindenkrebs befallen war und deren Aussterben man befürchtete. Die Krankheit war weniger aggressiv als angenommen, die Tessiner Kastanien haben überlebt. Auf dem Arboreto Copera – einem Lehrpfad – kann man die Bäume aus dem Versuchsprojekt kennenlernen.
Befindet man sich wieder auf dem Wanderweg, steigt dieser durch den Wald nochmals ordentlich bergab. Nimmt der Lärm der Autobahn überhand, ist das Ziel nicht mehr weit.