Die Erkenntnis ist nicht wissenschaftlich belegt, sondern aus Erfahrung gewonnen: Man kann etwa 50 Prozent an Gewicht einsparen, wenn man bereit ist, in 20 Prozent aller Fälle nicht ganz in der Komfortzone zu sein. Beispiele für «Gewicht versus Komfort» könnten sein: die dünnere statt der dicken Isolationsjacke einpacken und möglicherweise beim Start am Morgen etwas frösteln. Oder die leichtere Regenjacke wählen, die zwar einem stundenlangen Regen standhält, aber nicht einem extremen Starkregen mit viel Wind. Zusammen genommen lassen sich mit der eingangs erwähnten Komfortzonenformel rund 700 bis 750 Gramm einsparen. Fast ein Kilo weniger im Rucksack – das merkt man bei jedem Schritt.
Der Effekt einer gewichtsoptimierten Ausrüstung ist auch in Kalorien – ein Ausdruck für die geleistete Arbeit – messbar: Ein Kilogramm weniger Gepäck senkt den Energiebedarf um etwa 25 bis 80 Kilokalorien täglich. Über fünf Tage summiert sich das auf 125 bis 400 Kilokalorien. Fazit: Umgerechnet muss man etwa vier Bananen oder sechs Äpfel weniger mittragen.
Leicht tragen
Für Hüttentouren hat sich ein Rucksackvolumen von rund 35 bis 40 Litern als ideal erwiesen. Das reicht in aller Regel und setzt gleichzeitig eine Grenze gegen überflüssiges Gepäck. Beim Gewicht für den bepackten Rucksack liegt der Zielbereich bei sechs bis acht Kilogramm – mehr als zehn Kilogramm werden schnell zur Belastung.
Auf ein Tragesystem mit Hüftgurt und integriertem Rahmen sollte man nicht verzichten. Hier finden sich schon ab 900 Gramm Gewicht passende Modelle. Sie verfügen über einen Hüftgurt, eine Deckeltasche, Kompressionsriemen und eventuell elastische Aussentaschen, was völlig ausreicht.
Gramme sparen durch Schichten
Ein empfehlenswertes Prinzip für Weitwandernde besteht aus Funktionsunterwäsche, einer isolierenden und einer wasserdichten Schicht. Shirts aus Merinowolle haben den Vorteil, dass sie auch über mehrere Tage geruchsarm sind. Daher reicht oft ein Merino-Baselayer mit langen Ärmeln (190 g) im Frühjahr und Herbst sowie die Kurzarmversion (140 g) im Sommer: Wird es kühl, können auch beide übereinander getragen werden.
Eine leichte Jacke mit Daunenfüllung (300 g) für den Kälteschutz und eine Regenjacke (Hardshell) komplettieren das System. Sehr leichte Hardshell-Modelle sind ab 200 Gramm zu haben. Sie schützen nicht nur vor Nässe, sondern bauen auch eine isolierende Luftschicht auf und helfen gegen Wind und Kühle.
Zwei Hosen in einer
Für die Beine empfehlen sich Zip‑off‑Hosen. Sie können schnell auf warme Bedingungen angepasst werden und sparen Shorts ein. Wer sich damit so gar nicht anfreunden kann, packt zusätzlich eine kurze dünne Hose ein. Oder rollt bei wärmeren Temperaturen die Hosenbeine hoch, um für Belüftung zu sorgen.
Als Wechselwäsche und für den Hüttenabend reicht ein weiterer Merino-Langarm-Baselayer. Ein Schlauchtuch erfüllt die Funktion von Mütze und Halstuch. Leichte Handschuhe hat man zumindest in den Bergen immer dabei. An die Füsse gehören Funktionssocken mit hohem Merinowollanteil. Tipp für stark schwitzende Wandernde: Mittags wird auf ein trockenes Paar umgestiegen, das reduziert die Gefahr der Blasenbildung erheblich.
Der richtige Schuh
Das Tragen von Gewicht an den Füssen erhöht den Energieverbrauch etwa um den Faktor fünf im Vergleich zum Tragen am Rumpf. 100 Gramm am Schuh entsprechen damit rund 500 Gramm am Rücken. Die leichtesten tiefgeschnittenen Wanderschuhe wiegen heute oft zwischen 300 und 400 Gramm pro Schuh. Sie kommen Trailrunning-Schuhen sehr nahe, und man sollte über eine sehr gut trainierte Fussmuskulatur verfügen, um damit unterwegs zu sein.
Gewicht fühlt sich am Fuss fünfmal so schwer an wie am Rücken. Trotzdem sind gute Schuhe unerlässlich. © Jürg Buschor
Klar ist aber, dass solche Modelle bei Kälteeinbrüchen, Regen und anspruchsvollem Gelände keine Reserven bieten. Für Mehrtagestouren haben sich daher halbhohe Modelle als ideal erwiesen. Sie wiegen 400 bis 500 Gramm pro Schuh und sind damit leicht genug für lange Etappen, bieten aber ausreichende Stabilität und Wetterschutz. Solche leichten Schuhe machen jedoch nur bei einem Rucksackgewicht unter zehn Kilogramm Sinn. Wer mehr schleppt, braucht Wanderschuhe mit hohem Schaft.
Leichte Accessoires
Auch bei hilfreichen und notwendigen Accessoires wie einem Erste‑Hilfe‑Set (ab ca. 100 g), Waschzeug (ab 100 g), Regenhülle (ab 70 g), Teleskopstöcken (Carbon, um die 300 g) und einer Stirnlampe (ab 45 g) lässt sich trotz minimalistischer Ausführung weiter sparen. So kann die Regenhülle durch einen Abfallbeutel im Inneren des Rucksacks ersetzt werden. Der ist leichter und schützt genauso gut. Das Necessaire wird durch einen Zippbeutel ersetzt. Eine feste Seife ersetzt die flüssige, und zum Abtrocknen reicht ein kleines Microfasertuch.
Wer in der Gruppe unterwegs ist, kann Ausrüstung sinnvoll aufteilen. Erste‑Hilfe‑Set, Ladegeräte, Kartenmaterial oder Reparatursets müssen nicht mehrfach mit. Bei Zelt und Kocher lässt sich ebenfalls teilen: Eine Person trägt das Gestänge, die andere die Plane; eine den Kocher, die andere den Topf. Wichtig bleibt nur die klare Absprache, damit im entscheidenden Moment alles griffbereit ist.
Achtung Nahrungsmittel
Ultraleichtfans gehen bekanntlich noch weiter: Manche sägen sogar den Griff der Zahnbürste ab, um noch ein paar Gramm zu sparen. So extrem muss es nicht sein. Wer bereit ist, bei der Ausrüstung den einen oder anderen Franken für leichte Produkte zu investieren und auf etwas Komfort zu verzichten, kann das Gewicht deutlich reduzieren. Auch bei der Verpflegung steckt viel Einsparpotenzial. Statt schwerer Nahrungsmittel wie frischem Obst oder Brot setzen viele Weitwandernde auf leichte, kalorienreiche Nahrung und kaufen unterwegs nach oder geniessen morgens und abends die gute Küche auf der Hütte.
Wie viel Schoggi soll mit? «Gewicht versus Komfort» gilt auch beim Essen. © Jürg Buschor
Durchdachtes Packen spart Kraft und steigert Tragekomfort und Trittsicherheit. Es sollte möglichst alles im Rucksack verstaut werden. Dabei gehört Schweres auf Schulterhöhe und nah an den Rücken. Leichte Ausrüstung wie Wechselwäsche, Isojacke und Dinge, die man seltener braucht wie das Necessaire, kommen nach unten. Regenjacke, Erste-Hilfe-Set oder Trinkflasche sollten schnell griffbereit sein. Kleine Gegenstände (z.B. Snacks, Sonnencreme) kommen ins Deckelfach. Wer jedem Teil seinen festen Platz gibt, spart Zeit beim Suchen.
Leichte Ausrüstung fürs Weitwandern
Minimalistische Jacke
Diese extrem leichte Dreilagenjacke von 7 Mesh ist fürs Weitwandern geradezu prädestiniert: Mit nur 194 Gramm in Grösse S ist sie eine der leichtesten Dreilagenhardshells am Markt, ohne auf wichtige Funktionen zu verzichten. Verwendet wird die neue PFAS‑freie Goretex-EPE‑Membran. Die Jacke lässt sich in eine innenliegende Reissverschlusstasche packen, hat eine helmtaugliche Kapuze und verstellbare Ärmelabschlüsse. Fazit: Eine vielseitige Regenjacke, die kaum Platz im Rucksack beansprucht.
Hardshell: 7 Mesh Guardian Air Jacket- Gewicht: 194 Gramm (Männer S)
- Preis: 439 Franken
Angenehmer Baselayer
Das Malli Long Sleeve von Montane besteht aus einem Mischgewebe. Es kombiniert 84 Prozent Merinowolle für angenehmes Trageklima und Geruchskontrolle mit der Robustheit von Nylonfasern. Flache Nähte und eine ergonomische Passform erhöhen den Tragekomfort.Fazit: Ein geruchskontrollierendes Shirt für universellen Einsatz.
Montane Malli Long Sleeve Shirt- Gewicht: 175 Gramm (Männer M)
- Preis: 98 Franken
Vielseitiger Schuh
Dieser leichte halbhohe Schuh ist für Touren in gemischtem Gelände gemacht. Das synthetische Obermaterial sorgt für ein gutes Verhältnis von Gewicht, Klimakomfort und Robustheit. Stark beanspruchte Stellen sind durch abriebfeste Zonen verstärkt. Er ist mit einer Membran gegen Nässe ausgestattet. Die Sohle ist gedämpft, rollt gut ab und bietet auch bei etwas schwierigeren Stellen viel Trittsicherheit.
Fazit: Ein wasserdichter Schuh, der mit Leichtigkeit, Schutz und Tragekomfort punktet.
La Sportiva Aequilibrium Hike GTX- Gewicht: 960 Gramm (Grösse EU 42)
- Preis: 265 Franken
Smarte Lampe
Diese Stirnlampe ist eine smarte Ergänzung fürs Weitwandern: Sie passt in die hohle Hand und bietet mit 380 Lumen ausreichend Licht für die letzten Meter zum Ziel oder zur Orientierung im Hüttenlager. Drei Leuchtstufen plus rotes Licht, das minimalistische Kopfband mit eingearbeitetem reflektierendem Faden erhöhen die Sichtbarkeit. Über USB‑C lässt sich der Akku leicht aufladen, die Lampe ist zudem regenfest.Fazit: Ultrakompaktes Backup für Durchblick im Dunkeln.
Petzl Swift LT- Gewicht: 43 Gramm
- Preis: 58 Franken
Kraftsparende Stöcke
Der Distance Carbon Z ist einer der leichtesten, dreiteiligen Stöcke am Markt und speziell für sportliche Weitwanderungen konzipiert. Sein Schaft aus 100 Prozent Carbonfaser ist dank einfacher Arretierungen schnell einsatzbereit. Der schmale Durchmesser spart Gewicht, ohne die Stabilität zu verlieren. Die Handschlaufe aus rezykliertem Nylon nimmt kaum Schweiss auf. Der Griff liegt komfortabel in der Hand. Die Spitzen können ausgetauscht werden.Fazit: Ein Stocksystem, das hilft, die Gelenke zu schonen und Kraft zu sparen.
Black Diamond Distance Carbon Z- Gewicht: ab 256 Gramm (105 cm Länge)
- Preis: 170 Franken
Vielseitige Hose
Aus einer Hose werden zwei: Bei kühlen Aufstiegen oder längeren Aufenthalten am Berg bleibt die Ascona Zip Off lang, bei steigenden Temperaturen lassen sich die Beine schnell abzippen, sodass daraus Shorts entsteht. Der Vier‑Wege‑Stretch und der verstellbare Bund sorgen für guten Sitz. Das Material ist schnelltrocknend und wasserabweisend. Mit Reissverschlusstaschen für sicheren Stauraum.Fazit: Viel Flexibilität bei wechselnden Bedingungen.
Schöffel Pants Ascona Zip Off- Gewicht: 290 Gramm (Männer M)
- Preis: 129 Franken
Warme Isolationsjacke
Die Mythic Alpine Light von Rab ist eine ultraleichte Daunenjacke, die im Rucksack fast keinen Platz braucht. Angezogen beeindruckt sie mit einem erstaunlichen Gewicht-Wärme-Verhältnis. Im rund 252 Gramm leichten Teil werden hochwertige 900-Cuin-Daunen am Rumpf mit synthetischen Primaloft-Fasern an den Seiten und Schultern kombiniert. Das bedeutet Wärme und Robustheit genau am richtigen Ort.
Fazit: Universell einsetzbare Jacke, nicht nur für die Gipfelrast.
Rab Mythic Alpine Light- Gewicht: 252 Gramm (Männer M)
- Preis: 320 Franken
Rollender Wanderwagen
Wer nicht aufs Gramm achten mag, zählt auf Artour. Der kleine, sehr leichte und robuste Wanderwagen aus Aluminium kann am Oberkörper befestigt werden. Bis zu 40 Kilo Gewicht finden so den Weg über Stock und Stein. Für anspruchsvolleres Gelände ist er weniger geeignet. Zum Transport lassen sich Räder und Deichseln mit wenigen Handgriffen vom Wagen lösen
Fazit: Praktischer Wagen für Weitwanderungen in eher flachem Gelände
Artour Wanderwagen- Gewicht: 7,2 Kilogramm
- Preis: 910 Franken