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Wanderreportagen ABO

Ein Waldmosaik in Grün

Von Fichten über Lärchen, Arven, Bergföhren bis zu Legföhren: Zwischen den Tunnelportalen Preda und Spinas zeigt sich der Übergang vom Wald bis zur Baumgrenze exemplarisch. Ein Crashkurs in Forstbotanik mit einem Revierförster des Albulatals.
29.05.2026 • Text: Rémy Kappeler, Bilder: natur-welten.ch, Rémy Kappeler
Wilde Wasser auf der Via Albula
Preda — Spinas • GR

Wilde Wasser auf der Via Albula

Die Via Albula/Bernina führt auf ihrer sogenannten Königsetappe von Preda nach Spinas im Val Bever (GR). Beeindruckend ist die Alpseenlandschaft auf dem Crap Alv, spektakulär der Blick vor dem steilen Abstieg ins Val Bever. Die Wanderung startet in Preda, sieben Kilometer oberhalb von Bergün, das man mit dem Zug von Chur aus erreicht. Die Bahnlinie ist von der UNESCO als Welterbe zertifiziert, sodass schon die Anreise zur Wanderung ein Erlebnis ist. Vom Bahnhof Preda aus führt die Wanderung rasch in den Wald. Im Schatten steigt man auf in Richtung Albulapass, vorbei am lieblichen Palpuognasee. Wer bereits eine Pause einlegen möchte, findet hier viele schöne Picknickplätze. Der weitere Weg führt mittels Holzstege über viele Bäche und über Alpweiden. Die Bäume lichten sich je weiter man ansteigt. Zweimal quert man die Passstrasse, bevor der Weg kurz vor der Passhöhe nach rechts in ein Seitental abzweigt. Hier eröffnet sich einem ein mit jedem Schritt fantastischerer Blick auf den Lajets digl Crap Alv. Der Bergsee liegt unter einem steil abfallenden Hang, und ist in eine hügelige, schroffe Alpinlandschaft eingebettet. Von hier aus nimmt man den Schlussanstieg zur Fuorcla Crap Alv unter die Füsse, ein stetiger Anstieg auf einem gut ausgebauten Weg. Richtiggehend spektakulär dann ist der Anblick in Richtung Engadin von der Fuorcla auf 2466 M. ü. M. aus. Der wilde Fluss Beverin schlängelt sich durch das Val Bever, soweit das Auge in beide Talrichtungen sieht. Steil abfallende Hänge und majestätische Gipfel runden das imposante Bild ab. Schnell ist aber wieder Konzentration statt Weitblick gefragt: Der Abstieg ins Tal ist nicht zu unterschätzen: Er ist steil, rutschig und exponiert und geht mit 700 Metern Höhenunterschied in die Beine. Belohnt wird man auf dem Talboden mit der idyllischen Flusslandschaft, die zum Picknicken und Kühlen der Füsse im wilden Beverin einlädt, bevor in Spinas die Wanderung endet und man wieder die Albulabahn besteigt.

zum Wandervorschlag

Wald ist nicht gleich Wald – das wird auf dieser Wanderung schnell klar. Spätestens am Aussichtspunkt oberhalb des Lai da Palpuegna. «Bis zum Seeende hat es Lärchen. Dann folgen auf dem flachen Boden Arven. Auf dem Felsrücken darüber hat es dann vor allem Bergföhren», erklärt Ben Turner. Während für den Bündner Revierförster alles so klar ist wie die Sonne, die hell auf die Bäume scheint, sehen für den Laien alle Baumarten aus der Weite so ziemlich gleich aus: nämlich grün. Und er denkt sich: Wäre es doch Herbst, so würden wenigstens die Lärchen orange leuchten!

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