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Wanderreportagen ABO

Kleiner Fluss mit grosser Wirkung

Das Flüsschen Lorze spielte eine entscheidende Rolle in der Entwicklung von Zug zu einem der reichsten Kantone der Schweiz. Wer dem Industriepfad Lorze folgt, taucht ein in seine industrielle Vergangenheit und erlebt trotzdem idyllische Wandermomente.
27.02.2026 • Text und Bilder: Reto Wissmann
In der ehemaligen Hammerschmiede an der Lorze wurden einst Nägel, Schwerter und Hellebarden hergestellt.
Industriegeschichte am Zugersee
Zug, Brüggli — Hagendorn, Lorzenmatt • ZG

Industriegeschichte am Zugersee

Zug ist vor allem bekannt für seine Kirschtorte und die vielen Briefkastenfirmen. Dass der kleine Zentralschweizer Kanton bereits Mitte des 19. Jahrhunderts zu den am stärksten industrialisierten Regionen des Landes gehörte, wissen viele nicht. Hier entstanden Spinnereien, Papier- und Maschinenfabriken sowie Grossmolkereien. Als Energiequelle diente das Flüsschen Lorze, das am Rande der Stadt Zug in den Zugersee mündet und ihn bei Cham wieder verlässt. Auf dem insgesamt 30 Kilometer langen Industriepfad Lorze kann die Entwicklung von Zug zu einem der reichsten Kantone der Schweiz nachverfolgt werden. Die Bushaltestelle «Zug, Brüggli» liegt praktisch unmittelbar an der Lorze-Mündung. Der Wanderweg führt hier westwärts dem Seeufer entlang, vorbei an Badewiese und Campingplatz in Richtung Cham. Bei Chollermüli hat die Alte Lorze ein grosses Delta aufgeschüttet, wo heute gebadet und grilliert werden kann. Weiter verläuft der Weg der Bahnlinie entlang bis in den Hirsgarten, einen Park am See bei Cham. Nun folgt die Wanderung der Lorze flussabwärts, mitten durch die stark wachsende Gemeinde Cham. Nach der alten Hammerschmiede, die heute ein stattliches Anwesen ist, wird es weniger städtisch. In der idyllischen Flusslandschaft finden sich auch immer wieder Anlagen zur Stromgewinnung. Bei Rumentikon verlässt der Weg das Flussufer und führt durch das Dorf und über Wiesen bis zum Zisterzienserinnenkloster Frauenthal. Es ist das älteste seiner Art in der Schweiz, heute noch in Betrieb und kann besucht werden. Zurück nach Hagendorn und zur Bushaltestelle «Lorzenmatt» geht es auf der anderen Seite der Lorze, teilweise der wenig benutzten Landstrasse entlang. Kurz vor dem Ziel gibt es noch einen frühen Zeugen der Wasserkraftnutzung zu bestaunen: die Rekonstruktion eines römischen Wasserrades, mit dem hier vor fast 2000 Jahren Korn gemahlen wurde.

zum Wandervorschlag

Weitsicht bis zu den schneebedeckten Alpengipfeln, sorgfältig gepflegte Parkanlagen am See und ein manchmal überraschend wildes Flusstal – aber auch Baukräne und Raupenbagger prägen diese Wanderung vom Zugersee bis nach Hagendorn. Trotz knapper Landreserven wird im Kanton Zug viel gebaut. Wegen der tiefen Steuern sind es vor allem Wohn- und Bürogebäude, die überall in die Höhe schiessen. Dass einer der kleinsten heute auch einer der reichsten Kantone der Schweiz ist, hat er aber ursprünglich vor allem der Industrie zu verdanken. Und dass sich diese ab dem 17. Jahrhundert so prächtig entwickelte, dafür ist nicht zuletzt die Lorze verantwortlich.

Der Fluss entspringt dem Ägerisee und hat einen recht komplizierten Verlauf: Zunächst fliesst er in Richtung Norden, dann nach Westen und schliesslich nach Süden in den Zugersee. Unweit der Mündung verlässt er den Zugersee wieder und fliesst bis in die Reuss. Entlang des rund 30 Kilometer langen Flusslaufs unterhält der weitgehend aus privaten Mitteln finanzierte Verein Industriepfad Lorze 70 Schautafeln, auf denen die Geschichte der Zuger Industrialisierung erklärt wird. Und diese hat es in sich: Sie erzählt von Weltkonzernen wie Nestlé, Upcycling-Erfindungen wie Pavatex oder einer Industriellenwitwe als Schlossherrin.

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