Wo?
Auf einer Wanderung im Appenzellerland nahe Urnäsch.
Wer?
Die Wanderung führt an einem Bauernhof vorbei. Hinter dem Haus ertönt Gebell, sofort erscheint ein Appenzeller-Sennenhund-Mischling und rennt auf mich zu. Am Gartenzaun bremst er abrupt ab. Erleichtert atme ich auf.
Ob ein Hund gekrault werden will, entscheidet zuerst seine Besitzerin und dann er selbst. © Sandra Weber
Was tun, wäre kein Zaun da gewesen?
«Gute Frage», denke ich beim Weitergehen, der Puls leicht erhöht. Zurück im Büro rufe ich Hundetrainerin Sandra Weber aus Urnäsch an. «Wenn Sie nichts mit dem Hund zu tun haben wollen, verschränken Sie Ihre Arme, drehen den Oberkörper langsam vom Hund ab, schauen weg und wandern in normalem Tempo weiter.» Sie vergleicht die Begegnung mit einer Szene unter Menschen: «Wenn ich im Bahnhof von einem Fremden zum Kaffee eingeladen werde, gehe ich kommentarlos weiter oder lehne höflich, aber bestimmt ab», sagt Sandra Weber. «Wenn Sie also Angst haben und einem Hofhund begegnen, sprechen Sie nicht mit ihm, sondern vermitteln ihm mit klarer Körpersprache, dass Sie keinen Kontakt wollen.»
Wirklich ganz wegschauen?
«Sie können den Hund beim Abdrehen über die Schulter oder über den Nasenrücken im Auge behalten», sagt Sandra Weber. Ein Hund empfinde es als Bedrohung, wenn ein fremder Mensch ihm in die Augen schaut oder wenn er gar in Panik seine Augen aufreisst, erstarrt und laut schreit. Dann sei die Gefahr da, dass er noch näherkommt und unerwünscht reagiert. Um dies zu verhindern, sollte der Mensch das freundliche Verhalten üben, am besten zu Hause vor dem Spiegel. Immer und immer wieder, damit er es auf der Wanderung abrufen und ruhig bleiben könne. Oder er lernt das richtige Vorgehen im Hunde-Angst-Kurs bei Sandra Weber sowie in ihrem Buch «Das Hofhunde-ABC», das sie im Eigenverlag herausgegeben hat.
Der Hofhund kommt von hinten – so wird es vom Bauern gewünscht. © Sandra Weber
Und wenn ich Angst habe?
«Ein Hund riecht vieles, auch dass Sie Angst haben. Aber das ist nicht weiter schlimm, denn es liegt nicht in seiner Natur, Sie zu beissen», sagt Sandra Weber. «Wenn er merkt, dass Sie in freundlicher Absicht einfach weitergehen, lässt er von Ihnen ab. Er will ja vor allem, dass Sie weggehen.» Ein Treibhund umkreist die Rinderherde und nähert sich von hinten. Deshalb umkreist er auch Wanderer oder nähert sich von hinten. Das ist sein natürliches Verhalten und hat nichts mit Hinterhältigkeit zu tun. «Deshalb ist es wichtig, möglichst entspannt weiterzugehen.»
sandra-weber.info